Rückblick Campus Talk „Wirtschaft & Chemie“ am 13. November 2017 mit ALTANA und DWI an der RWTH Aachen University

 

Der globale Wettbewerb um Spitzenforscher in der Wissenschaft und Top-Nachwuchskräfte in der Industrie ist hart. Grund genug für die Veranstaltungsreihe „Handelsblatt Campus Talk“, sich mit der Thematik zu beschäftigen.

Fünf Vertreter von ALTANA, DWI und der RWTH Aachen University diskutierten am 13. November 2017 unter der Moderation von Handelsblatt-Redakteurin Maike Freund mit mehr als hundert Studierenden, Doktoranden, Dozenten und vielen weiteren Interessierten an der RWTH Aachen University über das Thema „Wirtschaft und Chemie“.

 

Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie der Weg von der Erfindung bis zur Marktreife eines Produkts optimal gestaltet werden kann. Der Campus Talk gab Studierenden die Gelegenheit, ALTANA-CEO Martin Babilas persönlich kennenzulernen und ihm und weiteren Experten Fragen rund um Studium, Wissenschaft, Industrie, Berufseinstieg und Existenzgründung zu stellen.

 

Martin Babilas, Vorsitzender des Vorstands der ALTANA AG, betonte zum Auftakt: Das Geschäftsmodell von ALTANA beruhe auf Innovation und Zusammenarbeit im Team. Die ALTANA-Unternehmenskultur sei geprägt durch die vier Werte, Wertschätzung, Offenheit, Vertrauen und Handlungsspielraum für jeden Mitarbeiter. Im Fokus stehe das Erarbeiten von Lösungen, die Produkte besser und vor allem auch nachhaltiger machten. ALTANA investiere dabei 6 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – das sei doppelt so viel wie die durchschnittliche Investitionssumme in der Branche.

 

Prof. Dr. Martin Möller, Wissenschaftlicher Direktor des DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien und Inhaber des Lehrstuhls für Textilchemie und Makromolekulare Chemie, RWTH Aachen University, bestärkte Babilas, denn die wichtigste und wertvollste Ressource seien gut ausgebildete Menschen. Eine wichtige Voraussetzung für Erfolg seien Neugierde und Offenheit.

 

Möller wünschte sich auch, dass mehr Doktoranden und Studierende über eine eigene Unternehmensgründung nachdenken. Die Gründung von Start-ups in der Chemie sei schwieriger als beispielsweise in der IT. Als Mut machend beobachte Möller den Trend in der Biotechnologie und Biochemie, bei dem große Firmen Start-ups, die sich bereits im Markt etablieren konnten, kauften und diese zwar integrierten, aber oftmals in ihren Start-up-Strukturen bestehen ließen.

 

Die Chemie sei die einzige Fakultas mit einer eigenen Industrie, gab Möller zudem zu bedenken. Deshalb fingen Chemiker in der Regel in der Forschung an und gingen dann als Führungskräfte in die Industrie. Solange die chemische Industrie so interessant sei, gäbe es tolle Arbeitsmarktchancen und Entwicklungsmöglichkeiten für den Nachwuchs. Zu bedenken sei nur, dass in China ca. 250.000 Absolventen jährlich auf den Markt kämen.

 

Dr. Michael Bessel,  Betriebsassistent und zukünftiger Standortleiter Werk Kempen, ALTANA-Geschäftsbereich BYK Additives & Instruments, machte deutlich, dass die Universität Studierende zwar zu frustrationstoleranten, cleveren Forschern ausbilde, doch erst im Unternehmen (Mitarbeiter-) Führung, Patentarbeit, Chemikalienrecht, Zeitmanagement u. v. m. erlernt würden. „Als Absolvent braucht man Mut“, sagte er. Wichtig sei, dass Studierende sich Gedanken machten, ob sie in der Zukunft eher als Generalist oder Spezialist arbeiten wollten, wobei nicht entscheidend sei, auf welches Thema man sich im Studium oder in der Promotion konzentriere. Bessel gab den Studierenden mit, dass das Arbeitsleben und die praktische Arbeit viele Vorteile böten und eine ständige Weiterentwicklung möglich und nötig sei.

 

Suzana Djeljadini, Doktorandin am DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien bestätigte, dass Forschung und Entwicklung an der Universität anders als in der Industrie sei. Sie bezeichnete das Institut als „Spielwiese“, in der man mit bester Ausstattung hervorragend forschen, in der man sich aber auch verlieren könne.

 

Prof. Dr.-Ing. André Bardow, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik und Direktor am Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-10), Forschungszentrum Jülich, machte deutlich, dass man Grundlagen-, Anwendungs- und Innovationsforschung vereinen müsse. Der Ingenieur der Diskussionsrunde rief dazu auf, nicht nur schwarz und weiß zu denken und sich verschiedene  Blickwinkel auf Industrie und Forschung zu verschaffen – zum Beispiel durch Praktika. Entscheidend für die berufliche Zukunft seien, ob Prinzipien, Werte und Aufgabe mit den eigenen Vorstellungen und Neigungen übereinstimmten. Er betonte auch, dass man sich stetig weiterentwickle und während eines Lebens viele verschiedene Jobs ausüben würde: „Das Leben ist nicht zu Ende, wenn man einen Vertrag unterschreibt“. Auch Unternehmen hätten großes Interesse daran, die Talente des Mitarbeiters, der ja eine Ressource sei, zu fördern und weiterzuentwickeln.

 

Babilas knüpfte an diesen Aspekt an und rief dazu auf, ALTANA durch Praktika, Bachelor- oder Masterarbeiten oder im Rahmen der Promotion kennenzulernen. Auch bei der Mitarbeiterauswahl würden eine Reihe von Gesprächen mit verschiedenen Kollegen geführt, da man den zukünftigen Mitarbeiter umfassend kennenlernen wolle. Der Neuzugang müsse zum Unternehmen passen – und umgekehrt.

 

In der anschließenden Fragerunde sprach sich Suzana Djeljadini für eine Promotion aus. Sie bezeichnete diese als Charaktertest, bei dem man vielseitige Erfahrungen sammeln könne: „In der Promotion stärkt einem der Professor den Rücken, wenn man Fehler macht.“ Bessel ergänzte, dass Chemiker in aller Regel nach der Promotion bessere Chancen hätten, eine Führungsfunktion zu übernehmen. Bardow berichtete, dass eine Promotion nicht nur als Qualifikationshürde wahrgenommen werden sollte, sondern auch als Chance, eine erfüllende Aufgabe auszufüllen und auszugestalten.

 

 

Zur Vertiefung empfehlen wir Ihnen folgende Literatur:

 

 

Weiterbildungsangebote für Promovierende:

 

 

Bei Interesse stehen Ihnen folgende Ansprechpartner für den weiteren Austausch zur Verfügung:

 

 

 

Zudem sind Sie herzlich zum Tag der Chemie am 9. Januar an der RWTH Aachen (Teilnahme seitens ALTANA in Planung) eingeladen.

 

Wir freuen uns, Sie bei einer anderen Veranstaltung einmal wiederzusehen.

Melden Sie sich, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben.

 

Mit besten Grüßen

Verena v. Hugo

Projektleiterin Handelsblatt Bildungsinitiativen

 

 

Die Veranstaltungsreihe „Handelsblatt Campus Talk”

Mit dem „Handelsblatt Campus Talk“, der Veranstaltungsreihe der Handelsblatt Hochschulinitiative, treten

Führungspersönlichkeiten der deutschen Wirtschaft in den Dialog mit interessierten Studierenden. Getreu dem Motto der

Handelsblatt Hochschulinitiative fördert der Campus Talk den aktiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Moderiert durch einen Handelsblatt-Redakteur erhalten die Studierenden in lockerer Atmosphäre Einblicke in

Unternehmen und Trends einer Branche, diskutieren Fachthemen und können Fragen zu Karriere und Berufswegen stellen.

www.hochschulinitiative.handelsblatt.com

 

 

RWTH Aachen University und Aachener Verfahrenstechnik

Die RWTH Aachen University ist eine der führenden technischen Hochschulen Deutschlands und zählt seit zehn Jahren zu den Exzellenzuniversitäten im Land. Sie gehört mit ihren 260 Instituten in neun Fakultäten zu den führenden europäischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen.

 

Die Aachener Verfahrenstechnik (AVT) ist ein Zusammenschluss von sieben Verfahrenstechnik-Lehrstühlen der RWTH Aachen. Die Forschung der AVT hat häufig einen Disziplinen-übergreifenden Charakter und Projekte werden oft in Kooperation mit internen sowie externen Partnern aus Universitäten und Industrie bearbeitet.

www.rwth-aachen.de
www.avt.rwth-aachen.de

 

 

DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien

Mit einem überaus interdisziplinären Ansatz entwickeln die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts Materialien mit neuen und aktiven Eigenschaften. Ziel ihrer Arbeiten ist eine Materialtechnologie, die im Einklang mit der Natur steht und zu einem bestmöglichen Leben beiträgt. Das Institut verbindet Grundlagenforschung auf hohem Niveau mit Konzepten für eine schnelle Umsetzung in die Anwendung.

www.dwi.rwth-aachen.de

 

 

ALTANA AG
ALTANA ist global führend in reiner Spezialchemie. Die Unternehmensgruppe bietet innovative, umweltverträgliche Speziallösungen für Lackhersteller, Lack- und Kunststoffverarbeiter, Druck- und Verpackungsindustrie, die Kosmetikbranche sowie die Elektroindustrie an. Das Produktprogramm umfasst Additive, Speziallacke und -klebstoffe, Effektpigmente, Dichtungs- und Vergussmassen, Imprägniermittel sowie Prüf- und Messinstrumente. Die vier Geschäftsbereiche von ALTANA, BYK Additives & Instruments, ECKART Effect Pigments, ELANTAS Electrical Insulation und ACTEGA Coatings & Sealants, nehmen in ihren Zielmärkten jeweils führende Positionen hinsichtlich Qualität, Produktlösungskompetenz, Innovation und Service ein.

Die ALTANA Gruppe hat ihren Sitz in Wesel am Niederrhein und verfügt über 49 Produktionsstätten sowie über 50 Service- und Forschungslaborstandorte weltweit. Konzernweit arbeiten rund 6.000 Mitarbeiter für den weltweiten Erfolg von ALTANA. Im Jahr 2016 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro. Davon fließen jedes Jahr rund 6 Prozent in die Forschung und Entwicklung. Mit einer im Branchenvergleich hohen Ertragskraft gehört ALTANA zu den innovativsten sowie wachstums- und ertragsstärksten Chemieunternehmen weltweit.
www.altana.jobs  

 

 

 

Kontakt

Handelsblatt Hochschulinitiative

E-Mail: hochschulinitiative@handelsblatt.com

Internet: www.hochschulinitiative.handelsblatt.com